Am Mittwoch, 22. Juli 2026 um 19:30 Uhr findet im ost west club est ovest erneut ein LiteraturCLUB statt: Paul Rösch & Patrick Rina präsentieren Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983
DIE AUTOREN
Das Buch ist Ausdruck eines Erkenntnisprozesses:
Paul Rösch (*1954) blickt als Zeitzeuge und Volkskundler auf die „wilden Jahre“,
Patrick Rina (*1987) entwirft als „Nachgeborener“ einen journalistischen Fragehorizont. Diese unterschiedlichen Annäherungen an die jüngere Geschichte haben die Themenwahl des Bandes maßgeblich bestimmt.
Ergänzt wird die Publikation durch Beiträge, die diese Epoche regional- und welthistorisch einordnen: Hans Heiss bietet eine Phänomenologie des „Wachstumsriesen Tourismus“,
Adina Guarnieri öffnet in ihren Miniaturen das lokale Blickfeld für das große Ganze.

DAS BUCH: Wilde Jahre, Tourismus in Südtirol 1961–1983, Edition Raetia
Die Boomjahre des Südtiroltourismus
Ein Land als Tourismuslabor
Von 1961–1983 wandelte der Tourismus Südtirol und seine Menschen grundlegend. Die Nächtigungen stiegen von rund drei auf über 20 Millionen an, heute sind es über 37 Millionen. Aus Bauern wurden Hoteliers und Skilehrer, stille Täler mutierten zu Bühnen für die entstehende „Erlebnisgesellschaft“. Patrick Rina und Paul Rösch lassen in ihrem Buch „Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983“ (Edition Raetia) diese zwei Jahrzehnte mit vielen Fotos lebendig werden.
Ab den 1960er-Jahren rüttelte der Massentourismus an allen traditionellen Strukturen, ein Sturm aus Modernität, Globalisierung und Aufbruchsgeist erfasste das Land. In diesen „wilden Jahren“ schien fast alles möglich. 1983 markiert das Ende dieser „Goldgräber“-Ära: Der Suizid des Schnalstaler „Gletscherkönigs“ Leo Gurschler wurde zum Symbol einer Spekulationskrise, die viele erfasste – jene als „(un-)verschuldet Verschuldete“ Etikettierten, die die Dynamik des Fortschritts überschätzt hatten und von ihr fortgerissen worden waren.
Das zwischen 2023 und 2025 finanziertes Forschungsprojekt „Tourismus in Südtirol 1961–1983“ des Museums „Touriseum“ in Meran hatte sich zum Ziel gesetzt, den Stimmen dieser Zeit Gehör zu verschaffen und das Erlebte zu dokumentieren. In diesem Rahmen fanden dutzende Gesprächsabende statt., die zu Foren der Reflexion über die „wilden Jahre“ wurden. Aus den Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gingen rund 90 Interviews hervor: Es sind Berichte über Hoffnung und Zweifel, Aufstieg und Überforderung, Emanzipation und Ausbeutung, neues Selbstbewusstsein und Aufbruchstimmung. Südtirol ist in diesem Sinne als Beispiel zu sehen, wie eine Gesellschaft sich durch die Wirtschaftskraft des Tourismus zu Wohlstand gelangen kann, aber auch dafür, welche Folgen der überbordende Zustrom an Gästen mit sich bringt.
ACHTUNG: Zwischen Juni und August besteht keine Pflicht zur Mitgliedschaft, sie ist jedoch weiterhin erwünscht.

